Sinziger Juden

Sinziger Juden

Die Sinziger Juden

1932 gab es in Sinzig noch 45 Bürger jüdischen Glaubens. Einigen jüdischen Familien gelang die Emigration nach England, in die Vereinigten Staaten, nach Südafrika, Südamerika oder die Flucht nach Südfrankreich. Am 10. November 1938 wird durch SA-Leute das Mobiliar der Sinziger Synagoge verbrannt und der Raum in der Martelsburg verwüstet.
Vier Wohnungen jüdischer Familien und ein Geschäftshaus werden in der gleichen Nacht schwer beschädigt. 1942 wurde die noch in Sinzig lebenden Juden in die Vernichtungslager deportiert. 23 der ursprünglich 45 Sinziger Juden sind ermordet worden.

Quelle: Rudolf Menacher, Knoblauch und Weihrauch
Sederteller

Sederteller

Die Synagoge wird zerstört

Die Synagoge wird zerstört

10. November 1938: Die Sinziger Synagoge wird zerstört

Die Ausschreitungen gegen die deutschen Juden am 9./10. November 1938 waren staatlich geplante, vorbereitete und gelenkte Aktionen von SA- und SS-Mitgliedern. In Sinzig räumten SA-Leute aus Brohl, Heimersheim und Bad Neuenahr die Synagoge leer, demolierten den Innenraum und steckten das gesamte Inventar im Hof in Brand. Außerdem wurden vier Wohnungen jüdischer Familien und ein Geschäftshaus schwer beschädigt.

Ehrentafel der im I. Weltkrieg gefallenen Mitglieder der Sinziger Synagogen Gemeinde

Ehrentafel der im I. Weltkrieg gefallenen Mitglieder der Sinziger Synagogen Gemeinde. Foto H. Rehmann

Verbote

Verbote

1937: Kirchlichen Vereine und Jugendverbände werden verboten

Schon 1933 gab es im Kreis Ahrweiler zahlreiche NS-Verbände und -Gruppierungen, z. B. die Hitlerjugend und den Bund Deutscher Mädchen. Die katholischen Gruppierungen und Vereine waren zunächst noch erlaubt, durften aber nicht mehr öffentlich auftreten. 1937 kam jedoch das Aus. Nicht nur der katholische Jungmännerbund, sondern auch katholische Schützenvereine wurden verboten.
Nichtkirchliche Jugendgruppen waren bereits 1933 aufgelöst worden.
.

Trommelhalterung Fanfarenzug der Hitlerjugend

Trommelhalterung Fanfarenzug der Hitlerjugend

Die Nationalsozialisten

Die Nationalsozialisten

1933: Die Nationalsozialisten übernehmen die Macht

Am 30. Januar 1933 berief Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Wenige Monate später war aus der Weimarer Republik eine NS-Diktatur geworden. Auch in Sinzig wurden in den folgenden Jahren die bisherigen Vereine und Organisationen verboten und in die NSDAP-Organisationen eingegliedert. Die jüdischen Bürger wurden entrechtet, vertrieben und ermordet.

Todesanzeige für den Gefallenen Damian Walscheid, Foto Dr. Kuhn

Todesanzeige für den Gefallenen Damian Walscheid, Foto Dr. Kuhn

Weitere Informationen

24. April 1933: Die Nationalsozialisten übernehmen die Macht

Weder bei den Reichstagswahlen am 5. März 1933 noch bei den Kommunalwahlen am 12. März 1933 hatte die NSDAP in Sinzig sonderlich erfolgreich abgeschnitten. Von 15 Stadträten gehörten nur drei der NSDAP an. Im stark katholisch geprägten Sinzig erreichte die NSDAP lediglich 26,2 Prozent, in den Ortsteilen war die Zustimmung noch geringer.
Allerdings gelang es ihnen in kurzer Zeit, die übrigen Ratsmitglieder gegen den amtierenden Bürgermeister Dr. Ernst Schaefer aufzuwiegeln. Ein am 24. April 1933 gegen ihn eingebrachtes Misstrauensvotum, das auf haltlosen Vorwürfen beruhte, wurde mit 12 zu 2 Stimmen angenommen. Die Bezirksregierung Koblenz setzte als kommissarischen Bürgermeister das NSDAP-Mitglied Heinrich Junior ein. Dieser wurde allerdings drei Jahre später wegen Unterschlagung, Untreue und Betrug seines Amtes enthoben.
In der gleichen Sitzung ernannte der Stadtrat Adolf Hitler und Paul von Hindenburg zu Ehrenbürgern.
Plätze und Straßen wurden nach Vorschlägen der Nationalsozialisten umbenannt:

⦁ der Kirchplatz in Adolf-Hitler-Platz
⦁ die Schloss-Straße in Hermann-Göring-Straße
⦁ die Rheinstraße in Horst-Wessel-Straße
⦁ die Judengasse in Schlageter-Straße

Das Bild des ehemaligen Reichspräsidenten Friedrich Ebert wurde im Sitzungssaal von der Wand gerissen, zerschmettert und später auf dem Marktplatz öffentlich verbrannt.
Bereits unter Bürgermeister Junior verlor der Sinziger Stadtrat jede Entscheidungskompetenz. Bereits 1934 gab es in Sinzig eine Ortsgruppe des Reichsluftschutzbundes. 1935 fanden erste Luftschutzübungen statt. Sinzig wurde in 12 Luftschutzblocks eingeteilt. Für jeden Block gab es einen Blockwart.

Ende 1939 waren in Sinzig ohne Bodendorf von 6003 Einwohnern 326 NSDAP-Mitglieder. Diese Zahl stieg bis zum Kriegsende auf 893.

Das Kriegerdenkmal

Das Kriegerdenkmal

5. Juli 1931: Das Sinziger Kriegerdenkmal wird eingeweiht

Das schon bei seiner Planung umstrittene Sinziger Kriegerdenkmal ehrte die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Der monumentale, von einem Pfeil getroffene Löwe wurde mit der „Dolchstoßlegende“ in Zusammenhang gebracht. Das Denkmal kostete die enorme Summe von 26.164 Reichsmark und übertraf damit die von der Stadt dafür gebildete Rücklage um 11.000 Reichsmark.

Quelle: Sinzig und seine Stadtteile, Kleinpass S. 166ff
Das Sinziger Kriegerdenkmal

Das Sinziger Kriegerdenkmal. Foto: A. Gottschalk