Die Eisenbahn

Die Eisenbahn

1858: Die Eisenbahn erreicht Sinzig

Die erste Eisenbahn in Deutschland verkehrte am 7. Dezember 1835 auf einer sechs Kilometer langen Strecke zwischen Nürnberg und Fürth. Der Transport von Gütern und Menschen war bis dahin schwierig und langsam. Der gewöhnliche Bürger war zu Fuß unterwegs, die normale Tagesetappe lag bei etwa 20 Kilometer. Schon die erste Eisenbahn erreichte eine Geschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde, die damals als atemberaubend und angsteinflößend empfunden wurde. 1858 wurde Sinzig im Rahmen des Ausbaus der Bahnlinie Bonn-Koblenz an das rasch wachsende Bahnnetz angeschlossen. Der Sinziger Bahnhof wurde 1859 fertiggestellt.

Der Sinziger Bahnhof

Der Sinziger Bahnhof. Foto: M. Röcke

Die Sinziger Mineralquelle

Die Sinziger Mineralquelle

1853: Die Sinziger Mineralquelle wird erschlossen

1853 ließ A. Rosenbaum die Sinziger Mineralquelle erbohren und fassen. Noch im selben Jahr wurden Anzeigen in der Bonner Zeitung geschaltet und erste Tonkrüge mit Sinziger Mineralwasser für 20 Pfennig pro Krug verkauft. Ab 1857 wurde in Sinzig eine Kuranlage mit Badebetrieb eingerichtet.

Quelle: Kleinpass, Sinzig und seine Stadtteile S.268ff
Markenstempel der Tonflasschen des Sinziger Mineralwassers

Markenstempel der Tonflasschen des Sinziger Mineralwassers. Foto: H. Rehmann

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1853: Die Sinziger Mineralquelle wird erschlossen

Ab 1857 war in Sinzig eine Kuranlage mit Badebetrieb eingerichtet und Sinzig wurde zum Kurort „Bad Sinzig“. Berühmtester Kurgast war der russische Dichter Iwan Turgenew, dessen Erzählung Asja durch den Aufenthalt inspiriert wurde. 1865 verkaufte der damalige Besitzer Erlenmeyer den Sinziger Brunnen und alle Rechte an die Bad Neuenahrer Kurbad-Gesellschaft, die allerdings den Brunnen nicht weiter betrieb, sondern die Quelle zuschüttete.
1921 erwarb Carl Baum die Sinziger Mineralquelle und legte den Brunnen wieder frei. Ein neues Badehaus wurde 1927 feierlich eröffnet. Seit 1929 wird erneut Sinziger Mineralwasser abgefüllt und vertrieben.

Doch das neue Bad Sinzig wuchs über zaghafte Anfänge nicht hinaus. In den 1950er Jahren kam der Kurbetrieb zum Erliegen. Das Mineralschwimmbad an der Kölner Straße war noch bis 1980 in Betrieb.
Mit der Mineralwasser-Abfüllung hatte der Sinziger Brunnen mehr Erfolg. Nach dem Krieg wurde der Vertrieb von Mineralwasser stark ausgebaut. Nun wurde neben Mineralwasser auch Limonade abgefüllt. 1989 verkaufte die Familie Baum das Unternehmen an die Apollinaris Brunnen AG. Seit 2005 besitzt die Franken Brunnen GmbH & Co. KG aus Neustadt an der Aisch den Sinziger Brunnen.

 

Tonflasche des Sinziger Mineralwassers

Tonflasche des Sinziger Mineralwassers. Foto: R Mey

Die Preußen

Die Preußen

1815: Das Rheinland wird preußische Provinz

Der Wiener Kongress ordnete nach der Niederlage Napoleon Bonapartes Europa neu. Preußen erhielt durch die Schlussakte des Wiener Kongresses 1815 große Gebiete in Westfalen, im Rheinland und an der Ruhr.
Sinzig wurde eine preußische Bürgermeisterei im 1816 gebildeten Kreis Ahrweiler, der zum Regierungsbezirk Koblenz gehörte. Die zunächst gebildeten Provinzen Jülich-Kleve-Berg und das Großherzogtum Niederrhein wurden am 22. Juni 1822 per Kabinettsorder zur Rheinprovinz vereinigt. Die Rheinprovinz bestand bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs fort, der Regierungsbezirk Koblenz wurde erst zum 1. Januar 2000 aufgelöst.

Quelle: Sinzig und seine Stadtteile, Kleinpass S.160
Fahne des Krieger-Vereins-Westum

Fahne des Krieger-Vereins-Westum. Foto: H. Rehmann

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Das Rheinland wird preußische Provinz

Nachdem die Grande Armée im gescheiterten Russlandfeldzug Napoleons vernichtet worden war, begannen in Europa die Befreiungskriege. Im Oktober 1813 fügten russische, österreichische, preußische und schwedische Truppen in der Völkerschlacht bei Leipzig den neu aufgestellten Truppen Napoleons eine schwere Niederlage zu und drangen bis zur Rheingrenze vor. Am 1. Januar 1814 überschritten preußische Truppen bei Kaub und russische Truppen bei Koblenz den Rhein. Am 4. Januar befreiten russischen Kosaken Sinzig. Am 2. Februar 1814 kamen die ehemaligen linksrheinischen Départements provisorisch unter preußische Verwaltung. Sinzig gehörte bis zum 15. Juni 1814 zum Generalgouvernement Mittelrhein, danach zum Generalgouvernement Mittel- und Niederrhein. Mit der Unterzeichnung der Schlussakte des Wiener Kongresses Anfang Juni 1815 wurden Preußen große Teile des Rheinlands und Westfalens völkerrechtlich verbindlich zugesprochen. Doch bereits zuvor, am 5. April 1815, hatte der preußische König Friedrich Wilhelm III. offiziell Besitz von seinem neuen Territorium ergriffen. Am Rhein wurde eine neue preußische Provinz, das Großherzogtum Niederrhein, gebildet. Durch Zusammenschluss mit der Provinz Jülich-Kleve-Berg entstand am 22. Juni 1822 die Rheinprovinz, ein Gebiet mit etwa zwei Millionen Einwohnern. Durch die Entwicklung der Montanindustrie und die Industrialisierung im Rheinisch-Westfälischen Industriegebiet hatte die Rheinprovinz großen Einfluss auf die Entwicklung Preußens zur europäischen Großmacht.

Der oberste Verwaltungsbeamte der Rheinprovinz, der Oberpräsident, residierte in Koblenz, darunter gab es fünf Regierungspräsidenten in Aachen, Köln, Düsseldorf, Koblenz und Trier. Der Appellationsgerichtshof Köln wurde durch eine Justizreform 1819 zum obersten rheinischen Gericht. Der gebürtige Sinziger Karl Anton Broicher war von 1843 bis 1851 Rat, von 1855 bis 1868 Präsident des Appellationsgerichtshofs.

Düsseldorf war ab 1826 Sitz des neuen Provinziallandtags, der zunächst nur wenige Rechte hatte, nach 1860 aber einflussreicher wurde.

Nachdem die Franzosen die rheinischen Universitäten Köln und Mainz aufgelöst hatten, bekam nun neben Köln auch Bonn eine neue Universität, die Friedrich-Wilhelms-Universität.

Das Rheinland tat sich schwer mit den neuen Herren. Die Franzosen hatten 1804 ein bürgerliches Gesetzbuch, den Code Civil (Code Napoléon), eingeführt. Dadurch waren alle Bürger vor dem Gesetz gleich. Preußens Allgemeines Landrecht kannte so etwas nicht. Berlin gestattete den linksrheinischen Gebieten Preußens, das französische Recht als „Rheinisches Recht“ weiterzuführen. Teile des Code Civil galten linksrheinisch noch bis 1900, als im Deutschen Reich das Bürgerliche Gesetzbuch eingeführt wurde. Das französische Strafrecht (Code pénal) von 1810 wurde noch bis 1870 angewendet. Bis 1845 hatte linksrheinisch auch die französische Gemeindeordnung Bestand. Im Gegensatz zu anderen preußischen Provinzen wurde nach 1845 in der preußischen Gemeindeordnung für die Rheinprovinz kein Unterschied zwischen Stadt- und Landbewohnern gemacht.

Kaiser Wilhelm II

Kaiser Wilhelm II. Foto: H. Rehmann

Sinziger Vogt

1797 – 1815: Der Sinziger Vogt in Paris

In der Sinziger Kirche St. Peter ruht die Mumie des Vogtes Johann Wilhelm von Holbach. Holbach starb am 10. März 1691 und wurde ursprünglich in der 1805 abgerissenen Maria Magdalenen Kapelle begraben. Bei einem starken Unwetter im Jahr 1700 wurde die Mumie freigelegt und gab seit damals Anlass zu einer Vielzahl von Geschichten und wenig geschmackvollen Scherzen der örtlichen Bevölkerung.
Während der französischen Besatzung wurde die Mumie nach Paris überführt, wo sie verschiedensten Untersuchungen unterzogen wurde. 1815 wurde der Sinziger Vogt zurückgegeben und wieder nach St. Peter gebracht.
Bis vor wenigen Jahren war das „Ledermännchen“ ein beliebtes Ausflugsziel und lag gut sichtbar in einer Nische von St. Peter und bis Mai 2017 in einem gläsernen Sarg in der Taufkapelle.
Erst seit kurzem fand er eine neue Ruhestätte im Boden von St. Peter.

Der Vogt

Der Sinziger Vogt in seinem gläsernen Sarg. Foto: Achim Gottschalk

Kosaken befreien Sinzig

4. Januar 1814: Kosaken befreien Sinzig

Nach der Leipziger Völkerschlacht 1813 war die Armee Napoleons geschlagen, und die französisch besetzten Gebiete wurden von preußischen, russischen und österreichischen Truppen befreit. Am 3. und 4. Januar 1814 erreichten russische Truppen Sinzig. Es kam zu Scharmützeln vor dem Sinziger Leetor zwischen russischen Kosaken und französischen Truppen.

Quelle: Sinzig und seine Stadtteile, Müller S138 ff
Russische Kosaken ziehen in Paris ein Bild: Wikipedia

Russische Kosaken ziehen in Paris ein. Bild: Wikipedia

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Kosaken

Sinzig war vom 4. Januar bis zum 15. Juni 1814 durch russische Truppen besetzt. Das Rheinland wurde dem preußischen Generalgouvernement Nieder- und Mittelrhein unterstellt. Deutsch war wieder Amtssprache. Der Wiener Kongress von September 1814 bis Juni 1815 veränderte die Grenzen Europas. Das Königreich Preußen erhielt große Teile Westfalens, des ehemaligen Großherzogtums Berg und Teile der ehemaligen linksrheinischen Départements. Die Verwaltungsreform von 1816 ordnete die Stadt Sinzig dem Kreis Ahrweiler im Regierungsbezirk Koblenz, Großherzogtum Niederrhein zu. Das Sinziger Stadtsiegel wurde nach altem Vorbild neu beschafft. Am 22. Juni 1822 wurde das Großherzogtum Niederrhein mit der Provinz Jülich-Kleve-Berg per Kabinettsorder zur Rheinprovinz vereinigt, die bis Juni 1945 bestehen blieb.

Quelle: Sinzig und seine Stadtteile, Müller S138 ff
Das Sinziger Schloss. Foto: H. Rehmann

Das Sinziger Schloss. Foto: H. Rehmann