Schenkung für das Marienstift in Aachen

16. Januar 855: Schenkung für das Marienstift in Aachen

Kaiser Lothar I. schenkte der Kapelle der Heiligen Maria in Aachen zwei Mansen (Bauernhöfe) und die Kapelle des heiligen Petrus aus dem Fiskalgut Sinzig. In dieser Urkunde wird zum ersten Mal das Patrozinium St. Petrus für die Kapelle in Sinzig, dem Vorgängerbau der heutigen Stadtkirche St. Peter, erwähnt. Erwähnt werden zur Kapelle gehörende Hörige (Leibeigene), Zinsbauern (Pächter), und Wachszinsige (Einwohner, die zur Abgabe von Wachs verpflichtet waren).
Das Marienstift in Aachen blieb bis zur Säkularisierung 1794 Verwalter der Sinziger Pfarrei. Der heute bekannte Zehnthof entstand in späterer Zeit als Wirtschaftshof des Aachener Marienstifts in Sinzig.

Zehnthof in Sinzig

Zehnthof in Sinzig. Foto: H. Rehmann

Erste urkundliche Erwähnung Sinzigs

10. Juli 762: Erste urkundliche Erwähnung Sinzigs

Pippin der Jüngere, Hausmeier ab 741, fränkischer König 751-768, schenkte im Königshof Sinzig dem Kloster in Kesseling einen Teil des angrenzenden Waldes. Dies ist die erste schriftliche Erwähnung Sinzigs als „Palatium Sentiacum“ und der erste dokumentierte Aufenthalt eines fränkischen Königs in Sinzig.

Quelle: Karl Friedrich Amendt, Regestensammlung Stadt Sinzig, S. 16
Erste urkundliche Erwähnung Sinzigs im Goldenen Buch der Abtei Prüm

Erste urkundliche Erwähnung Sinzigs im Goldenen Buch der Abtei Prüm, Foto Anja Runkel, Wissenschaftliche Bibliothek der Stadt Trier/ Stadtarchiv Trier

 

Weitere Informationen

10. Juli 762: Erste urkundliche Erwähnung Sinzigs

Der mittelalterliche König regierte nicht von einer Hauptstadt aus, sondern musste möglichst „vor Ort“ sein und den persönlichen Kontakt zu seinen Vasallen halten. Pfalzen und Königshöfe dienten dabei als Reisestationen. Es handelte sich dabei um große Gutshöfe, die Verpflegung und Unterkunftsmöglichkeiten für den König, seine Begleitung und Gäste, oft Hunderte von Personen, boten. Auf Lateinisch hießen diese Königshöfe villa regia oder curtis regia.
Der Vorsteher einer Pfalz oder eines Königshofes war Richter, Verwalter und Heerführer auf dem ihm zugewiesenen Gebiet. Eine Pfalz bestand zumindest aus dem Palas, einer Pfalzkapelle und einem Gutshof. Die Könige und Kaiser führten dort Amtshandlungen aus, hielten Hoftage ab und feierten hohe kirchliche Feste. Viele Pfalzen und Königshöfe ermöglichten auch die Jagd in den Reichswäldern, die als Königsbesitz Bannforste waren.
Wie groß der Sinziger Königshof war, und ob es sich um eine Pfalz handelt, ist nicht geklärt, da es bisher keine aussagekräftigen archäologischen Funde gibt. Historisch nachgewiesen sind in Sinzig die Kapelle und der Gutshof.

Wenn hier von Sinzig die Rede ist, handelt es sich nicht, wie wir es heute gewohnt sind, um eine Stadt mit einheitlicher Verwaltung. Es gab Lehen, bei denen das Lehensverhältnis direkt mit dem deutschen König bestand, und daneben Eigenbesitz des lokalen Adels. Bei einem Lehen handelt es sich um Grundbesitz, der gegen die Verpflichtung zu einer bestimmten Dienstleistung oder gegen bestimmte Abgaben ursprünglich auf Lebenszeit verliehen wurde. Im Lauf der Jahrhunderte wurden die Lehen zunehmend erblich. Gleichzeitig gab es in Sinzig unter anderem Besitz von Klöstern und Stiften, dem Erzbischof von Trier und dem Hospital. Bauern, Ritter, Bürger, Juden und Lombarden (italienische Bankiers) hatten jeweils einen eigenen Rechtsstatus. Die Gesetze und Strafen sowie die zuständigen Gerichte waren für diese Gruppen unterschiedlich

Die erste schriftliche Erwähnung eine Kapelle in Sinzig

Die erste schriftliche Erwähnung eine Kapelle in Sinzig erfolgte im Rahmen der Bestätigung einer Schenkung and die Klöster Stablo und Malmedy im Oktober 814.

Erste urkundliche Erwähnung Sinzigs im Goldenen Buch der Abtei Prüm

Erste urkundliche Erwähnung Sinzigs im Goldenen Buch der Abtei Prüm, Foto Anja Runkel, Wissenschaftliche Bibliothek der Stadt Trier/ Stadtarchiv Trier

 

St. Peter zu Sinzig

Die erste schriftliche Erwähnung eine Kapelle in Sinzig erfolgte im Rahmen der Bestätigung einer Schenkung an die Klöster Stablo und Malmedy im Oktober 814.

 

Aachen-Frankfurter-Heerstraße

8. Jahrhundert: Ausbau der Aachen-Frankfurter Heerstraße

Die Aachen-Frankfurter Heerstraße wurde im 8. Jahrhundert ausgebaut und stellte die schnellste Verbindung von Aachen nach Frankfurt dar. Die Lage an dem alten Hauptverkehrswege entlang des Rheins und der neuen Frankfurt-Aachener Heerstraße war für Sinzig über lange Zeit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Quelle: Ulrich Helbach, Das Reichsgut Sinzig, Rheinisches Archiv 122, Seite 168ff
Aachen Frankfurter Heerstasse

Aachen Frankfurter Heerstasse bei Bad Bodendorf, Foto: H. Rehmann

Weitere Informationen

8. Jahrhundert: Ausbau der Aachen-Frankfurter Heerstraße

Im Rahmen umfassender Maßnahmen zur wirtschaftlichen, kulturellen und militärischen Stärkung des fränkischen Reiches wurde im 8. Jahrhundert die Aachen-Frankfurter Heerstraße (AFH) ausgebaut. Sie stellte die schnellste Verbindung von Aachen nach Frankfurt dar. Von Frankfurt bsi Sinzig folgte die AFH dem Rheintal. Ab Sinzig führte der Weg über Bad Bodendorf nach Rheinbach, von dort weiter über Euskirchen nach Aachen. Die Lage an dem alten Hauptverkehrsweg entlang des Rheins und der neuen Frankfurt-Aachener Heerstraße war für Sinzig über lange Zeit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Quelle: Ulrich Helbach, Das Reichsgut Sinzig, Rheinisches Archiv 122, Seite 168ff
Aachen-Frankfurter-Heerstraße

Aachen-Frankfurter-Heerstraße im Modell

Die Franken

275 nach Christus: Fränkische Landnahme

Alemannen, Franken und weitere germanische Stämme zerstörten und eroberten 275 nach Christus die Villen und Städte am Rhein. Dem römischen Reich gelang es bis 281 nach Christus die Rheingrenze wieder zu sichern. Um den starken Bevölkerungsverlust teilweise auszugleichen, wurden in der Folgezeit kriegsgefangene Germanen zwangsweise angesiedelt und bildeten nördlich der Mosel einen hohen Bevölkerungsanteil. Das gesamte 4. Jahrhundert nach Christus blieb unruhig. 455 endete die römische Herrschaft am Rhein.

Quelle: Heinz Cüppers; Nikol Verlagsgesellschaft Hamburg, 2002, Die Römer in Rheinland Pfalz, S 117 ff
Fränkische Spatha, Grabfund Sinzig

Fränkische Spatha, Grabfund Sinzig, Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Vor- und Frühgeschichte, Foto: Claudia Klein

Weitere Informationen

Die Franken

257 fiel der Stammesverband der Franken in die Provinz Niedergermanien ein.
260 wurde der Limes auf breiter Front von Franken und Alemannen überrannt. Danach wurden die Kastelle östlich des Rheins aufgegeben.
Unter dem Usurpator Postumus lösten sich mehrere Provinzen vom römischen Reich und es bildete sich ein gallisches Sonderreich, das bis 274 existierte. Hauptziel der Usurpatoren war es, die Provinzen gegen die regelmäßigen Beutezüge der Germanen effektiv zu verteidigen.
Nah dem Ende des Sonderreiches und dem Tod des römischen Kaisers Valerian kam es 275/276 zu großen flächendeckenden Zerstörungen am Rhein und in Gallien. Dabei wurden die römischen Gutshöfe im Ahrgebiet zerstört.
277-281 gelang es dem römischen Kaiser Probus die Rheingrenze wieder zu sichern. Um den starken Bevölkerungsverlust teilweise auszugleichen, wurden nun von den Römern kriegsgefangene Germanen zwangsweise angesiedelt und bildeten nördlich der Mosel einen hohen Bevölkerungsanteil.

Das gesamte 4. Jahrhundert. blieb unruhig. 355 eroberten die Franken erstmals Köln.
Zwischen 410 und 435 wurde Trier viermal von fränkischen Heeren verwüstet.
Seit ca. 420/430 befindet sich Köln endgültig in fränkischer Hand.
455 inspizierte letztmals ein römischer Heermeister (magister militum) namens Avitus die Rheingrenze. Danach erlischt am Rhein die römische Herrschaft.

In Sinzig haben sich nur in einem Gräberfeld oberhalb des Klosters Helenaberg Spuren der frühen fränkischen Besiedlung gefunden.
In Löhndorf fanden sich Hinweise auf ein fränkisches Gräberfeld.

Bronzeschale, Fund aus fränkischem Grab in Sinzig

Bronzeschale, Fund aus fränkischem Grab in Sinzig, Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Vor- und Frühgeschichte, Foto: Claudia Plamp

Terra Sigillata

150 nach Christus: Terra Sigillata Manufaktur am Rheinufer bei Sinzig

Um ca. 150 nach Christus existierte eine Terra-Sigillata-Manufaktur in Sinzig am Rhein
Am Rheinufer bei Sinzig finden sich Überreste von Brennöfen dieser Terra-Sigillata-Töpferei. Scherben sind heute noch auf den Ackerflächen zu finden. Für einen kurzen Zeitraum Mitte des 2. Jahrhunderts nach Christus haben ursprünglich aus Trier stammende Töpfer hier gearbeitet.

Quelle: Charlotte Fischer, Die Terra-sigillata-Manufaktur von Sinzig am Rhein, 1969 Rheinland-Verlag Düsseldorf
Terra Sigliata

Terra Sigillata Sinzig. Foto: H. Rehmann

Weitere Informationen

Da ein Teil der Töpferware mit Namensstempeln der Töpfer versehen wurden, sind uns die Namen einiger Töpfer bekannt.
Von der alten Römerstraße nahe den Kiesgruben sind Siedlungsspuren bekannt, die darauf hindeuten, dass sich dort das Handwerkerdorf befand.

23 Töpfer der Manufaktur sind namentlich bekannt:
Avernicus, Boudus, Celsinus, Cintugnatus, Clemens, Corisso, Cunius, Decimus, Firmanus, Iasso, Justus, Latinus, Lipuca, Locco, Messirius, Miccio, Nasso, Occiso, Primigenius, Sextus, Venicarus, Viducus und Virtus.
Dies sind die ersten uns namentlich bekannten „Sinziger“.

Im Heimatmuseum Sinzig ist eine umfangreiche Terra-Sigillata-Sammlung aus dieser Töpferei ausgestellt.

Namensstempel des Töpfers Arvernicus

Namensstempel des Töpfers Arvernicus